Der Versuch eines Fazits
Mai 25, 2008 by adifunkDie westlichen Demokratien sind durch Wahlmüdigkeit und Legitimationsprobleme weniger von aussen, wohl aber von innen bedroht. Bürger haben zwar durchaus grosses Interesse an politischen Themen, lehnen aber vielfach die althergebrachten Strukturen der Parteiendemokratie und der öffentlichen Meinungsbildung ab. Mit dem Internet wurden vor allem in der Frühphase seiner Diffusion Hoffnungen verbunden, die Interaktion zwischen Bürgern und politischem System zu verbessern sowie die Mobilisierung bislang unterrepräsentierter oder nicht engagierter Bevölkerungsteile zu erreichen.
Demgegnüber deuten empirische Ergebnisse eher darauf hin, dass sich bestehende Ungleichheiten verstärken. Das Internet bietet denjenigen Personen, die auch offline in soziale Netzwerke des Engagements eingebunden und politisch aktiv sind, zusätzliche Möglichkeiten, ihre Interessen zu vertreten und sich politisch zu beteiligen. Unter solcherart engagierten Personen steigt auch der Anspruch ans politische System, über das Internet Informationen bereit zu stellen und Prozesse transparent zu machen. Ob und inwieweit das Internet zur Revitalisierung der Demokratie führt, hängt also weniger von rein technischen Merkmalen, als vielmehr von institutionellen Faktoren des politischen Systems ab(Schmidt; 2006).
Die von euphorischen Protagonisten des Online-Zeitalters in Aussicht gestellte Demokratisierung der öffentlichen Meinungsbildung hat demnach noch nicht stattgefunden. Ungeachtet der weit verbreiteten Internet-Nutzung sind die klassischen Massenmedien weiterhin dominant(Zerfass/Boelter; 2005). Dabei schliessen sich die verschiedenen Paradigmen nicht aus, sondern ergänzen sich gegenseitig - die durch Politblogs, Podcasts und social software ermöglichte Meinungsbildung tritt neben die weiterhin, aber in anderer Gewichtung relevanten Formen der schriftlichen, massenmedialen und internetgestützten Kommunikation.
Aber auch wenn sich demokratietheoretische Utopien nicht bewahrheitet haben, hat das Internet nichtsdestoweniger einen wichtigen politischen Diskussionsraum geschaffen. Es prägt insbesondere eine neue Dynamik, welche Manuel Castells als „informationelle Politik” bezeichnet(Castells; 2005). Weil die Menschen nicht Programmen, sondern eher Personen vertrauen, ist die Medienpolitik heutzutage hochgradig personalisiert und um das Image der Politiker organisiert. Die Internet-Plattformen, die einen horizontalen, wenig kontrollierten und billigen Kommunikationsraum abdecken, führen zu einer zusätzlichen Akzentuierung dieser Entwicklung. Heute gibt es fast keine politischen Geheimnisse mehr, wenn sie mal über sehr eng begrenzte Kreise hinaus bekannt geworden sind. Die Grenze zwischen Tratsch, Phantasie und wertvoller politischer Information vermischt sich deshalb immer mehr. So führen neue Medienformen zwar einerseits zu einem grösseren Informationsangebot, verbreitern aber andererseits auch die Startrampe für die Politik des Skandals. Das eigentliche Problem liegt dabei natürlich nicht beim Internet, sondern bei der Art von politischem System, das unsere Gesellschaften hervorbringen.
Abschliessend möchte ich doch noch kurz auf die titelgebende Frage
stellung eingehen und eine Antwort zu den Beweggründen der beiden Protagonisten riskieren. Trotz all derer basisdemokratischen Beteuerungen komme ich leider zu folgendem kritischen Urteil: Angela Merkel machts hauptsächlich zur Imagepflege, Moritz Leuenberger in erster Linie aus Spass.
Apropos Spass: Beim Bloggen im Rahmen der IGEP-Semesterarbeit empfand ich teilweise zwar durchaus welchen. Allerdings stand dieser in keinem vernünftigen Verhältnis zum damit verbundenen zeitlichen Aufwand. Ich muss deshalb an dieser Stelle ganz klar sagen: Dies war mein erster, zugleich aber auch mein letzter Blog.
… this is the end of the line
Quellen
- Schmidt, Jan (2006):
„Weblogs - Eine kommunikationssoziologische Studie”
(S. 140-141)
Uvk Verlagsgesellschaft, Konstanz - Zerfass, Ansgar / Boelter, Dietrich (2005):
„Die neuen Meinungsmacher - Weblogs als Herausforderung für Kampagnen, Marketing, PR und Medien” (S. 83)
Verlag Nausner & Nausner, Graz - Castells, Manuel (2005):
„Die Internet-Galaxie” (S. 169-170)
VS Verlag für Sozialwissenschaften, Heidelberg

wonach Blogs und Podcasts Mittel zur „Veredelung von Informationen” sind. Nun möchte ich diesen Gedankengang etwas vertiefter behandeln. Sehr intressant erscheinen mir in diesem Zusammenhang die Thesen des Soziologen und Historikers 

